Muss ich das kennzeichnen?

AIDEAID Wissen · Der KI-Kennzeichnungs-Kompass · v1.3 · Stand 2026-07-15 · Momentaufnahme, die Auslegung entwickelt sich
2. 8. 2026 Seit diesem Tag gelten die Transparenzpflichten aus Artikel 50 der EU-KI-Verordnung (Verordnung (EU) 2024/1689). Seitdem muss ein Teil der KI-Inhalte im Marketing als solche gekennzeichnet sein.

Nicht jedes KI-Bild und jeder KI-Text muss ein Etikett tragen, aber manche schon. Dieser Kompass sagt dir für die typischen Marketing-Assets in unter zwei Minuten: kennzeichnen, im Zweifel kennzeichnen, oder keine Pflicht. Jede Einordnung ist am Verordnungstext (EUR-Lex) belegt und von einem zweiten, unabhängigen Prüfschritt gegengelesen.

Wichtig: Das ist eine Orientierung, keine Rechtsberatung. Der Kompass deckt die häufigen Fälle ab; bei Grenzfällen (vor allem bei fotorealistischen Bildern und bei der Frage „öffentliches Interesse") lass es im Zweifel anwaltlich prüfen.

1Die eine Grundregel zuerst

Bevor du einzelne Assets prüfst, klärt eine Unterscheidung 90 % der Fälle: Bist du Anbieter oder Betreiber?

Als KMU, das fertige KI-Tools nutzt, bist du „Betreiber".

Wenn du Midjourney, Sora, ElevenLabs, ChatGPT & Co. beruflich einsetzt, giltst du rechtlich als Betreiber (nicht als Anbieter). Das entlastet dich bei der aufwändigsten Pflicht und lässt nur zwei übrig:

Tool-AnbieterDie technische, maschinenlesbare Markierung (unsichtbares Wasserzeichen, Metadaten) schuldet der Hersteller des Tools, nicht du (Art. 50 Abs. 2). Deine einzige Pflicht dabei: diese Markierung nicht entfernen oder verschleiern.
DuDich treffen nur zwei sichtbare Offenlegungs-Pflichten: der Hinweis beim Chatbot (Art. 50 Abs. 1) und die Offenlegung bei Deepfakes sowie bei KI-Text zu Themen von öffentlichem Interesse (Art. 50 Abs. 4). Fällt ein Asset unter keine davon, trifft dich keine eigene Kennzeichnungspflicht nach Art. 50.

2Der Kompass

Tippe eine Kachel für die Begründung, die Praxis (wie genau kennzeichnen) und den Beleg im Gesetzestext. Filter oben schränkt auf einen Status ein.

Filtern:
Kennzeichnen (Pflicht) Im Zweifel kennzeichnen Keine Kennzeichnungspflicht

3Wenn kennzeichnen: wie genau?

Die Kernregel steht in Art. 50 Abs. 5: klar, deutlich und beim ersten Sehen/Hören erkennbar, barrierefrei. Die EU hat dafür im Juni 2026 offizielle Icons veröffentlicht.

✦ AI GENERATED

Voll KI-erzeugt

Für Inhalte, die vollständig von KI erstellt wurden (Bild, Video, Audio).

✦ AI MODIFIED

KI-verändert

Für real aufgenommene Inhalte, die mit KI wesentlich verändert wurden.

✦ AI

Basis-Kennzeichen

Das kompakte Grundzeichen, wenn wenig Platz ist (z. B. kleine Formate).

Die drei Icons stehen seit dem 10. Juni 2026 frei und ohne Namensnennung als SVG und PNG bei der EU-Kommission zum Download (je vier Varianten hell/dunkel). Sie zu benutzen ist freiwillig, die Kennzeichnungspflicht selbst nicht. Ein nationalsprachliches Textlabel ist ebenso zulässig — für den DACH-Markt reicht ein klarer Hinweis:

Mit KI erstelltKI-generiertDu chattest mit einem KI-AssistentenKI-generierte Stimme

Platzierung: bei Bild/Video in einer Ecke oder Caption, beim Video ein Disclaimer am Anfang (bei Livevideo durchgehend), beim Chatbot in der Begrüßung oder als Label im Fenster, beim Text sichtbar am Beitrag.

4Was dieser Kompass nicht abdeckt

Art. 50 regelt nur die KI-Transparenz. Parallel gelten weitere Pflichten, die eine fehlende oder falsche Kennzeichnung zusätzlich angreifbar machen.

Wettbewerbsrecht (UWG)Fehlt bei KI-Werbung, die wie eine echte Aufnahme wirkt, der Hinweis, kann das schon heute eine Irreführung sein (§§ 5, 5a UWG) und über § 3a UWG abgemahnt werden. Doppelte Angriffsfläche: Aufsichtsbehörde und Wettbewerber.
Persönlichkeits- und BildrechteEin KI-Avatar oder eine geklonte Stimme einer realen Person braucht deren Einwilligung. Die Einwilligung ersetzt aber nicht die KI-Kennzeichnung: das sind zwei getrennte Pflichten.
Bußgeld-Einordnung, ehrlichDer gesetzliche Rahmen für Art.-50-Verstöße reicht bis 15 Mio. € oder 3 % Jahresumsatz (Art. 99). Für KMU gilt aber der jeweils niedrigere Wert, und Bußgelder müssen verhältnismäßig sein: ein kleiner Kennzeichnungs-Verstoß löst keine Millionenstrafe aus. Der Rahmen ist die Obergrenze, nicht der Regelfall.
Zuständige Stellen (im Aufbau)In Deutschland wird die Bundesnetzagentur zentrale Marktüberwachungsbehörde, in Österreich die KI-Servicestelle der RTR. Die nationalen Durchführungsgesetze sind Mitte 2026 noch nicht überall in Kraft; die EU-Pflicht selbst gilt seit 02.08.2026 unabhängig davon.

5Und wenn du's richtig aufsetzt?

Kennzeichnung ist kein Bremsklotz, sondern eine Gewohnheit, die man einmal einrichtet und dann mitläuft: das richtige Label an der richtigen Stelle, ein fester Freigabe-Schritt für KI-Texte, der Chatbot-Hinweis im Standard-Setup. Genau solche wiederkehrenden Handgriffe automatisieren wir mit dir, damit Compliance nebenbei passiert statt jedes Mal Kopfzerbrechen zu machen.

Im Gespräch klären, was für dich gilt

Methodik: Recherchiert und gegengeprüft am 14. Juli 2026 gegen den amtlichen Verordnungstext (EUR-Lex, CELEX:32024R1689), die Erwägungsgründe 132–134, den „Code of Practice on Transparency of AI-Generated Content" (EU-Kommission, 10.06.2026) und die Orientierungshilfen von Kommission, DIHK, IHK, Wettbewerbszentrale, RTR und WKO. Jede Einordnung wurde von einem zweiten, unabhängigen juristischen Prüfschritt gegen den Primärtext kontrolliert. Diese Seite ist eine Momentaufnahme: die finalen Art.-50-Leitlinien der Kommission und die nationalen Durchführungsgesetze sind teils noch in Arbeit.

Konkreter Fall unklar, oder neuere Erkenntnisse? Schreib uns: axel@aideaid.ai